Molluscum-contagiosum-Virus

Das Molluscum contagiosum Virus (MCV)

Das Molluscum-contagiosum-Virus (abgekürzt als MCV) verursacht warzenähnliche Veränderungen in der menschlichen Haut. Das MCV ist weltweit verbreitet, die warzenähnlichen Papeln gelten aber als „gutartig“. Die Infektionen mit dem Molluscum-contagiosum-Virus verlaufen meist harmlos und verschwinden in der Regel auch ohne Behandlung.

Es handelt sich bei dem Molluscum-contagiosum-Virus um ein behülltes, doppelsträngiges DNA-Virus aus der Familie der Pockenviren. Von dem Molluscum-contagiosum-Virus existieren vier Formen, die als MCV-1, MCV-2, MCV-3 und MCV-4 bezeichnet werden. Die häufigste Form ist MCV-1. MCV-2 tritt für gewöhnlich nur bei Erwachsenen auf.

Die Krankheitssymptome und der Verlauf sind für alle Formen des Molluscum-contagiosum-Virus ähnlich oder identisch. Die warzenähnlichen Hautveränderungen, die MCV verursacht, werden auch „Mollusken“ genannt. Sie gehören medizinisch gesehen nicht zu den Warzen, dennoch hat sich die Bezeichnung „Dellwarzen“ für MCV eingebürgert. Weitere Synonyme für die durch Molluscum-contagiosum-Virus verursachte Krankheit sind „Epithelioma molluscum“ und „Epithelioma contagiosum“.

Die Übertragungswege des Molluscum-contagiosum-Virus

Der einzige Wirt für das Molluscum-contagiosum-Virus ist der Mensch, Tiere und andere Lebewesen können nicht von MCV befallen werden. Der Übertragungsweg des Molluscum-contagiosum-Virus verläuft also von Mensch zu Mensch, durch die sogenannte Kontaktinfektion oder Schmierinfektion. Ein flüchtiger Kontakt mit den infizierten Hautstellen eines anderen Menschen genügt, um Viruspartikel auf den eigenen Körper zu übertragen. Außerdem kann der Virus auf dem Körper selbst „wandern“, wenn Viruspartikel von den Mollusken auf andere Körperteile übertragen werden (beispielsweise durch Verschmieren mit den Händen). Auch durch sexuellen Kontakt ist eine Ansteckung mit MCV möglich.

Zwar ist die Ansteckung durch direkten Hautkontakt am häufigsten, aber das Molluscum-contagiosum-Virus überlebt auch eine Zeit lang außerhalb des Körpers. Deshalb kann man sich durch gemeinsam benutzte Gegenstände mit MCV anstecken, zum Beispiel wenn Spielzeug oder Handtücher (etwa ein Händehandtuch auf der Toilette) geteilt werden. Schwimmbäder, Kindergärten und Schulen sind daher als Ansteckungsorte für das Molluscum-contagiosum-Virus wie geschaffen. Tatsächlich sind Kinder am häufigsten von dem Molluscum-contagiosum-Virus betroffen.

Generell kann ein Erkrankter den Virus auf jeder Oberfläche hinterlassen, auch auf Kleidungsstücken und Türklinken. Im Gegensatz zu der direkten Kontaktinfektion/Schmierinfektion wird diese Form der Übertragung als indirekte Kontaktinfektion/Schmierinfektion bezeichnet. Die Erkrankung mit MCV bleibt so lange ansteckend, wie die Mollusken auf der Haut zu sehen sind. Innerhalb einer Familie bzw. innerhalb eines Haushalts überträgt sich das Molluscum-contagiosum-Virus nach und nach auf alle Mitglieder. Dies geschieht innerhalb einiger Monate.

Zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Erkrankung bei jedem einzelnen Familienmitglied vergeht unterschiedlich viel Zeit, denn die Inkubationszeit für MCV schwankt stark. Sie liegt zwischen zwei Wochen und sechs Monaten. Kleine Kinder sind besonders gefährdet und stecken sich fast immer mit MCV an, wenn es einen Erkrankten in der Familie gibt. Erwachsene mit intaktem Immunsystem haben öfter das Glück, von einer Krankheit durch Molluscum-contagiosum-Virus „verschont“ zu bleiben. Bei ihnen besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass das Immunsystem den MCV eliminiert, bevor es zum Ausbruch der Erkrankung kommt. Sollte das Immunsystem jedoch geschwächt sein, durch eine Erkältung oder andere Krankheit, immunsupprimierende Medikamente oder eine angeborenen Immunschwäche, so vergrößert sich das Ansteckungsrisiko auch für einen Erwachsenen.

Weltweit sollen etwa 2 bis 8 Prozent der Bevölkerung mit MCV infiziert sein, dabei liegen die Ballungszentren in dicht besiedelten Gebieten. Der Molluscum-contagiosum-Virus scheint sich in warmem und feuchtem Klima besser auszubreiten als in kühlen und trockenen Zonen. Gebiete mit erhöhter Armut und niedrigem Hygienestandard sind vermehrt von MCV betroffen. Umgekehrt garantiert ein persönlicher hoher Hygienestandard aber keinen Schutz vor einer Ansteckung mit MCV.

Theoretisch kann sich jeder jederzeit mit dem Molluscum-contagiosum-Virus infizieren. Eine Impfung gegen MCV gibt es nicht. Außerdem verleiht eine Infektion mit dem Molluscum-contagiosum-Virus keine permanente Immunität, d. h. jemand, der die Krankheit bereits durchgemacht hat, kann sich weitere Male infizieren. Dabei handelt es sich jedes Mal um eine echte Neu-Ansteckung: Im Gegensatz zu Herpesviren, die wir ein Leben lang in uns tragen, wird das MCV vollständig aus unserem Körper entfernt, sobald das Immunsystem die Krankheit überwinden kann.

Molluscum contagiosum, besser bekannt als Dellwarzen

Das Molluscum-contagiosum-Virus verursacht knötchenartige Veränderungen auf der Haut (die sogenannten Mollusken oder Dellwarzen), gelegentlich auch in den Schleimhäuten. Jede Stelle des Körpers kann betroffen sein, vor allem aber finden sich die Mollusken auf Armen, Händen, Fingern, Oberkörper und im Lendenbereich. Bei Erwachsenen sind meist die Genitalien betroffen, von wo aus sich das Molluscum-contagiosum-Virus durch sexuelle Kontakte weiter verbreitet. An den Händen und Fingern treten Mollusken auf, wenn mit MCV verseuchte Oberflächen angefasst worden sind. Bis zu mehrere hundert Stück können auf dem Körper verteilt sein – die Mollusken treten selten einzeln auf. Dennoch kommen vereinzelte Mollusken vor, genau wie Mollusken in Clustern oder linienförmig angeordnete Knoten.

Das Aussehen der Mollusken ist sehr charakteristisch, deshalb wird die Krankheit durch das Molluscum-contagiosum-Virus auch meist per Blickdiagnose festgestellt. Nur selten sind histopathologische Untersuchungen notwendig, um die Diagnose auf MCV zu bestätigen. Die Mollusken oder Dellwarzen sind perlenartig erhaben und besitzen eine glatte Oberfläche, die leicht glänzend sein kann. Mollusken können hautfarben, weißlich oder rötlich sein, seltener sind sie gelb. Der Durchmesser eines Knotens beträgt ca. 1 bis 6 mm, unbehandelte Knoten werden bei einem ansonsten gesunden Menschen etwa erbsengroß. Menschen mit Immunschwäche, sei es aufgrund einer vorübergehenden Erkrankung, aufgrund von AIDS oder der Einnahme von immunsupprimierenden Medikamenten nach einer Organtransplantation, bilden häufiger Riesenmollusken aus. Diese Riesenmollusken können 1 bis 2 cm oder größer werden.

In der Mitte haben Mollusken meist eine Vertiefung, der sie ihren Namen „Dellwarzen“ verdanken. Manchmal ist in der Delle eine kleine Öffnung zu erkennen. Übt man Druck auf eine Dellwarze aus, entleert sie den sogenannten Molluskenbrei bzw. das Molluskenkörperchen. Dabei handelt es sich um eine Masse von flüssiger bis breiiger Konsistenz, die ansteckende Partikel des Molluscum-contagiosum-Virus enthält. Den hochinfektiösen Inhalt einer Molluske dürfen Sie also nicht verteilen oder gedankenlos verwischen, stattdessen waschen Sie sich gründlich die Hände. Allgemein sollte man darauf achten, die Mollusken nicht anzufassen oder zu „verletzen“, da sich der Molluscum-contagiosum-Virus dadurch immer weiter verbreiten kann.

Die Mollusken sind nicht schmerzhaft, allerdings können sie ein Kribbeln oder einen Juckreiz auslösen. Mitunter kommt es zu lokalen Entzündungen in der Umgebung der Mollusken, in schlimmeren Fällen bilden sich deutliche Ekzeme aus. Sowohl die Entzündungen als auch die Ekzeme können Schmerzen und verstärkten Juckreiz verursachen. Hautprobleme solcher Art machen die Infektion mit dem Molluscum-contagiosum-Virus entsprechend unangenehm. Aufgekratzte, schlecht abheilende oder chirurgisch entfernte Mollusken können Narben hinterlassen. Bei einigen Patienten kann ein erheblicher Leidensdruck allein durch die Narbenbildung entstehen, wenn die Narben in den Augen des Patienten zu auffällig sind. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Molluscum-contagiosum-Virus zwar harmlos im Sinne von nicht lebensbedrohlich ist, aber dennoch äußert unangenehm werden kann.

Eine Behandlung ist in den meisten Fällen nicht notwendig, kann den Heilungsprozess aber unterstützen und beschleunigen. Unbehandelt bildet sich die Infektion mit dem Molluscum-contagiosum-Virus nach einiger Zeit selbst zurück, typischerweise nach sechs Monaten bis zu anderthalb Jahren. Je nach Quelle werden aber auch Zeiträume von wenigen Wochen angegeben. Es sind Fälle bekannt, in denen die Infektion mit MCV über mehrere Jahre hinweg bestehen blieb. Diese Gefahr ist besonders groß, wenn das Immunsystem des Betroffenen nicht intakt ist.

Eine Infektion mit dem Molluscum-contagiosum-Virus kann medikamentös behandelt werden. Antibiotika sind gegen MCV sinnlos, da sie nicht gegen Viren wirken. Einige Präparate, die gegen Warzen gerichtet sind, bekämpfen auch den Molluscum-contagiosum-Virus. Allerdings helfen Medikamente nicht immer gegen den MCV. Die Mollusken können chirurgisch entfernt werden, wobei der Arzt sie mit einem scharfen Löffel oder einem ähnlichen Instrument von der Haut schabt. Eine örtliche Betäubung ermöglicht diesen Eingriff verhältnismäßig schmerzfrei und mit relativ geringem Risiko, dennoch ist es eine invasive Methode und mit Unannehmlichkeiten verbunden. Eine Vereisung der Mollusken, auch als Kryotherapie bekannt, ist eine weitere Behandlungsmöglichkeit. Die Mollusken werden mit flüssigem Stickstoff gefroren und so zerstört. Die Behandlung kann brennen oder stechen und eine Brandblase hinterlassen, die einige Woche zur Heilung benötigt.

Jede Methode, die Mollusken zu entfernen, kann Narben oder permanent weißgefärbte (depigmentierte) Hautstellen zurücklassen. Allgemein wird empfohlen, die Krankheit lieber „auszusitzen“ und sich – falls eine Behandlung überhaupt nötig ist – auf die medikamentöse Behandlung zu beschränken. Da die meisten Erkrankten kleine Kinder sind, wollen chirurgische Eingriffe besonders wohl überlegt sein. Nur in entsprechend schweren Fällen sind sie gerechtfertigt. Bei sehr hartnäckigen Infektionen mit dem Molluscum-contagiosum-Virus, die auf keine andere Behandlung ansprechen, ist die Entfernung der Mollusken mit einem gepulsten Farbstofflaser eine Alternative.

Was bei passiert bei der Infektion mit dem Molluscum-contagiosum-Virus?

Wie oben beschrieben, muss das Molluscum-contagiosum-Virus auf Ihre Haut gelangen, um Sie zu infizieren. Das kann über direkten Hautkontakt mit einem Infizierten geschehen, oder über Oberflächen, auf denen ein Infizierter den Virus zurückgelassen hat. Auch auf Textilien (Handtücher, Kleidung) überlebt das Molluscum-contagiosum-Virus. Als typische öffentliche Ansteckungsorte wurden schon Schwimmbad, Kindergarten und Schule genannt. Denkbare Gefahrenquellen sind auch das Sportstudio und die Sonnenbank. Sobald Viruspartikel des MCV an der menschlichen Haut anhaften, versuchen sie in diese einzudringen. Dies gelingt bei verletzter Haut leichter, deswegen haben Menschen mit Ekzemen oder anderen Hautkrankheiten ein erhöhtes Ansteckungsrisiko.

Unsere Haut ist in mehreren Schichten aufgebaut. Die äußerste ist die sogenannte Hornschicht. Die Partikel des MCV müssen die Hornschicht überwinden, um an ihre Zielzellen zu gelangen: Unter der Hornschicht liegen die Keratinozyten, die Zielzellen des Molluscum-contagiosum-Virus. Die Haut besteht zu etwa 90 Prozent aus diesem Zelltyp. Die Keratinozyten sind die einzigen Wirtszellen, die das MCV besiedeln kann. Sobald Partikel des Molluscum-contagiosum-Virus in einen Keratinozyten eingedrungen sind, wird der Stoffwechsel der Zelle umprogrammiert, um zusätzliche MCV zu produzieren. Diese breiten sich dann von Hautzelle zu Hautzelle weiter aus und vermehren sich auch in den benachbarten Keratinozyten. In der Inkubationszeit spürt man davon noch nichts. Erst, wenn das Molluscum-contagiosum-Virus sich ausreichend vermehrt hat, beginnt sich die warzenähnliche Molluske auszubilden. Sie enthält viele hochansteckende Partikel des MCV in ihrem Inneren.

Dadurch, dass sie so langsam wächst, wird eine Molluske unter Umständen lange nicht bemerkt. Sobald Sie jedoch festgestellt haben, dass Sie von MCV befallen sind, sollten Sie besondere Vorsicht walten lassen und auf entsprechende hygienische Maßnahmen achten. Durch das Berühren oder Verletzen der Mollusken können Sie das Molluscum-contagiosum-Virus auf Ihrem Körper verschleppen. Die Dauer einer MCV – Infektion wird dadurch verlängert und die Zahl der lästigen Knoten erhöht sich. Falls Sie das Molluscum-contagiosum-Virus von der ursprünglichen Molluske auf ein anderes Hautareal übertragen haben, wird auch dort eine Molluske wachsen. Allerdings wieder erst nach einer Inkubationszeit von Wochen bis Monaten. Betroffene sollten versuchen, sowohl die wiederholte Selbst-Ansteckung als auch die Ansteckung anderer Menschen mit dem Molluscum-contagiosum-Virus zu vermeiden.

Risikogruppen und Risikofaktoren für eine Infektion mit MCV

Im Laufe Ihres Lebens durchlaufen Sie zwei Phasen, in denen eine Ansteckung mit MCV besonders wahrscheinlich ist, das ist erstens als Kleinkind und zweitens als junger Erwachsener. Das Molluscum-contagiosum-Virus tritt vor allem bei Kindern zwischen eins und zehn auf, also bei Kindern im Grundschul- und Vorschulalter. Unter anderem, weil der MCV sich so leicht über Kindergärten und Schulen verbreitet, ist die Erkrankung in dieser Altersgruppe am häufigsten. Insbesondere Kinder mit Neurodermitis (auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt) sind durch das Molluscum-contagiosum-Virus gefährdet. Vermutlich, weil die Schutzfunktion der Haut durch die Neurodermitis-Ekzeme gestört ist. Bei Neurodermitis bietet die Haut keine ausreichende Barriere mehr für Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger. Das Molluscum-contagiosum-Virus kann also besonders leicht in die Haut von Neurodermitis-Patienten eindringen.

Bei Erwachsenen spielt MCV als sexuell übertragbare Krankheit eine besondere Rolle, also gehören auch sexuell aktive Erwachsene zu den Risikogruppen. Ein erhöhtes Risiko, sich mit MCV zu infizieren, haben auch alle Patienten, die zurzeit unter einer Kortisontherapie stehen. Noch stärker gefährdet sind Personen mit einer Schwächung des Immunsystems. Bei Immunsupprimierten wird die Infektion mit MCV auch länger anhalten als bei einem ansonsten gesunden Menschen. Auch die oben beschriebenen Riesenmollusken treten vor allem bei einer Immunschwäche auf. Dabei ist es egal, welcher Art die Immunschwäche ist. Die bekannteste erworbene Immunschwäche ist das durch HIV verursachte AIDS. Allerdings „beschäftigt“ praktisch jede Erkrankung das Immunsystem und macht den Körper anfälliger für das Molluscum-contagiosum-Virus, nur in unterschiedlichem Ausmaß. Um eine Organtransplantation zu ermöglichen, werden immunsupprimierende Medikamente verabreicht. Auch einige andere medikamentöse Behandlungen können die körpereigene Abwehr gegen das Molluscum-contagiosum-Virus schwächen.

Zusammengefasst ist es also schlecht möglich, sich garantiert gegen das Molluscum-contagiosum-Virus zu schützen. Dafür ist der Ansteckungsweg zu einfach und das Virus kommt zu häufig in der Bevölkerung vor. Es ist nicht möglich, alle typischen Ansteckungsorte zu vermeiden. Mit dem Wissen um diese Erkrankung und der gebotenen Vorsicht lässt sich wohl einer Übertragung durch Sexualkontakt aus dem Wege gehen. Schlussendlich bleibt dem Erkrankten der Trost, dass es sich um eine eher harmlose Infektion handelt.