Zytostatika

Zytostatika sind in erster Linie als chemotherapeutische Arzneimittel bekannt, die zur Krebstherapie angewendet werden. Allerdings ist das Anwendungsgebiet von Zytostatika, die stets hemmend auf das Wachstum von Zellen wirken, in der Medizin weitreichender: Zytostatika kommen ebenso zur Behandlung von Warzen zum Einsatz. Bei der Behandlung einer Warze ist das Therapieziel von Zytostatika, dass das Zellwachstum der Warze gehemmt wird. Das bewirken die Mittel dahin gehend, dass sie das Wachstum von körpereigenen Zellen stören und eindämmen.

Da sich das aber nicht immer nur auf krankhafte Zellen beruft, wie es bei der Warze der Fall ist, sollte eine Behandlung mit Zytostatikum niemals unbedacht geschehen: obwohl die Behandlung einer Warze mit Zytostatika als vollkommen schmerzlos gilt. Es gibt natürlich solche und solche Zytostatika, mit denen der Patient einer Warze zu Leibe rücken kann. Doch welche sind das und was unterscheidet sie voneinander?

Zytostatika und ihr Einsatz in der Dermatologie

Zytostatika wurden gegen Ende der 70er Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika entwickelt. Sie entfalten ihre Wirkung dahin gehend, dass sie die körpereigenen Stoffwechselvorgänge, die im Zusammenhang mit der Teilung und dem Wachstum der Körperzellen stehen, behindern und stören. Dadurch werden vor allem schnell wachsende Zellen wie Epithelzellen, die im Schleimhautepithel und in den Haarwurzelzellen zu finden sind, geschädigt. Zytostatika stören aber auch Hautzellen in ihrem Wachstum. Deshalb machte man sich ihre Wirkung ebenfalls bei der Bekämpfung von Warzen zunutze.

Dabei können Zytostatika die verschiedensten Wirkstoffe umfassen und in mehrere Gruppen unterteilt werden. Zum einen gibt es die Gruppe der Alkylanzien, die zum Beispiel Wirkstoffe wie Darcarbazin, Cyclosphamid und Cisplatin vereint. Diese stören in der Regel den DNS-Aufbau von Krebszellen. Antimetabolite, wie beispielsweise Azathiopirin, Fludarabin, Cladribin, Fluorouracil und Methotrexat, verdrängen und ersetzen hingegen die Bausteine des natürlichen Stoffwechsels in den Zellen. Dadurch kommt es zu gravierenden Fehlfunktionen in der Erstellung und Verarbeitung von den Enzymen. Auch diese Wirkstoffe kommen jedoch überwiegend bei Chemotherapien und bei der Krebstherapie zum Einsatz.

Weitere Zytostatika-Arten sind Antibiotika wie etwa Doxorubicin, Bleomycin oder Mitoxantron, welche die Strangbrüche der DNS begünstigen. Als Antibiotika gelten aber auch Mitosehemmstoffe wie die Wirkstoffe Vinca-Alkaloide sowie Hormonantagonisten wie die Stoffe Estramustin, Megestrol und Fosfestrol. In der Dermatologie und bei der Behandlung einer Warze kommen meistens Wirkstoffe wie Fluorouracil oder Podophyllin zum Einsatz. Doch was unterscheidet diese?

Podophyllin ist ein hygroskopisches Pulver, das aus der Wurzel des Maiapfels gewonnen wird. Der sogenannte Maiapfel enthält Lignan, Podophyllotoxin und weitere – teilweise zytostatische – Inhaltsstoffe. Diese Stoffe sind es, die sich negativ und hemmend auf das Zellwachstum des menschlichen Körpers auswirken. Bei der Verwendung auf der Haut wurde Podophyllin noch vor einigen Jahren bevorzugt als Salbe, Lack oder als Tinktur angewandt: je nach Einsatzgebiet und Warzenbefall. Des Weiteren waren die Mittel mit verschiedenen Dosierungen erhältlich, sodass man sie genau auf den Stärkegrad und die Hautbeschaffenheit des Patienten und der Warze anpassen konnte. Eine einzelne Warze wurde meistens niedriger dosiert behandelt als eine stark warzenbefallene Hautfläche.

Podophyllin wird heute jedoch aufgrund seiner teilweise sehr undefinierten Mischungen, die durchaus auch giftige Beimengungen vorweisen können – und der als relativ schwach geltenden Wirkung wegen – überwiegend als Reinsubstanz und zur Bekämpfung von hartnäckigen Genitalwarzen (fachmedizinisch Condylomata acuminata) angewandt. Die meisten Salben, Tinkturen und Lacke sind heute mit dem Wirkstoff Fluorouracil oder mit verwandten Wirkstoffen versehen. Die Behandlung von einer Warze ist aber heute weitgehend noch so gestrickt, wie es auch vor einigen Jahren der Fall war. Meistens wird das befallene Hautgewebe, oder optional nur die Warze, mit einem Zytostatikum in Salben-, Tinktur- oder Lackform beträufelt, bestrichen oder eingerieben. Anschließend müssen alle Zytostatika einwirken, um ihre Wirkung entfalten zu können und das Zellwachstum hemmen oder sogar zurück drängen zu können. Wie erfolgreich die Therapie anschlägt und wie lange das Zytostatikum verwendet werden muss, das hängt stets von der Schwere des Befalls, von der Art der Warze, von der Wirkungsintensivität und von der Dosierung der Zytostatika ab.

Fehlerhafte Hautzellen, wie etwa eine Warze, reagieren allerdings empfindlicher auf Zytostatika, als es bei gesunden Zellen der Fall ist. Der Grund ist der, dass eine Warze eine viel höhere Zellteilungsrate hat als gesunde Zellen. Zudem ist eine Warze nur eingeschränkt bis gar nicht in der Lage, sich selbst wiederherzustellen und daher zu reparieren. Dieser kleine aber gravierende Unterschied macht es der Medizin möglich, eine Warze mit Zytostatika zu behandeln. Denn alle Zytostatika sind so dosiert, dass sie gesunde Hautzellen nahezu gar nicht in ihrem Zellwachstum stören. Des Weiteren sind die Behandlungszeiten so ausgelegt, dass sich gesunde Hautzellen problemlos selbst regenerieren können, wenn sie doch durch die Behandlung der Warze in Mitleidenschaft gezogen wurden. Natürlich sind Ausnahmen auch hier möglich. Entsprechende Behandlungen einer Warze werden jedoch in der Regel sehr streng vom behandelnden Arzt überwacht.

Anwendungsgebiete von Zytostatika bei der Behandlung einer Warze

Zytostatika sind Arzneimittel in Salben-, Tinktur- oder Lackform, die das Zellwachstum stören oder negativ beeinflussen. Sie können neben anderen Therapiearten wie beispielsweise dem Vereisen oder dem Verätzen einer Warze bei den unterschiedlichsten Arten einer Warze zum Einsatz kommen. Anders als bei anderen Anwendungsgebieten, wie etwa einer Krebstherapie, werden Zytostatika im Bereich der Dermatologie und bei der Behandlung einer Warze einzig äußerlich aufgetragen: Hier stört das Zytostatikum das Wachstum und die Erneuerung der Zellen der Warze und sorgt so dafür, dass diese abstirbt oder sich zurückbildet. Eine Einnahme der Zytostatika ist bei der Therapie einer Warze nicht vorgesehen und eher unüblich.

Dadurch lässt sich durch Zytostatika aber auch nur das Symptom der vorliegenden Erkrankung behandeln – die Zellwucherung auf der Haut. Meistens liegen einer Warze aber noch andere körperliche Ursachen zugrunde. Diese müssen anderweitig und zusätzlich behandelt werden. Wie genau man die Behandlung mit Zytostatika am besten auf eine medikamentöse Therapie der Ursache (etwa einer Infektion) abstimmt, das muss stets der behandelnde Arzt entscheiden. Das heißt, dass der Patient die Behandlung einer Warze niemals im Alleingang und ohne Absprache mit dem behandelnden Arzt durch eine Anwendung von Zytostatika erweitern sollte.

Anwendungsmethoden – so geht man einer Warze mit Zytostatika an den Kragen

In nahezu allen anderen Anwendungsbereichen werden Zytostatika in Form von Infusionen oder als Tablette verabreicht, sodass sie ihre Wirkung von innen entfalten können. Nicht so bei der Behandlung einer Warze. Hier wird das Zytostatikum als Salbe, als Tinktur, als Lösung oder als Lack direkt auf die Warze gegeben – und meistens nur auf diese. Bei der Verwendung sollte der Patient achtsam mit dem Zytostatikum umgehen und versuchen so wenig gesunde Haut mit dem Mittel zu benetzen wie möglich. Ausnahmen stellen stark befallene Hautpartien dar oder Stellen, die bereits erste Wucherungen zeigen. Allerdings sollte hier unbedingt ein Facharzt (Dermatologe) entscheiden, ob und inwieweit die eigentlich „gesunde“ Haut mit Zytostatika behandelt werden sollte.

Je nach Art und Dosierung der Zytostatika kann es sogar sein, dass diese aufgrund ihres Giftgehalts (manche Inhaltsstoffe von Zytostatika gelten als giftig) nur unter äußerster Vorsicht oder direkt vom behandelnden Arzt verabreicht werden können. Letzteres ist vor allem dann der Fall, wenn bei der Anwendung Handschuhe und ein Mundschutz getragen werden müssen und der Kontakt des Zytostatikums mit gesunden Zellen vermieden werden muss. Im Bereich der Behandlung einer Warze ist das bei Zytostatika aber nur äußerst selten der Fall.

Was lange währt… Die Dauer der Behandlung

Die Behandlung einer Warze mit Zytostatika ist mittlerweile recht gut erprobt. Dadurch liegen für eine Therapie mit Zytostatika zahlreiche Erfahrungen vor, die sich auch bei der Einschätzung der Behandlungsdauer bemerkbar machen. Trotzdem ist es dem behandelnden Mediziner nicht immer möglich einzuschätzen, wie lange und wie häufig die Warze mit Zytostatika therapiert werden muss. Bei der Behandlungsdauer einer Warze kommt es mit Zytostatika auf verschiedene Faktoren an: Um welche Art von Warze handelt es sich? Wo genau befindet sich die Warze? Und welche Zytostatika sind für die Therapie am besten geeignet?

Je nachdem, wie diese Fragen beantwortet werden, fällt in der Regel die Behandlung aus. Grundlegend lassen sich fast alle Warzenarten mit Zytostatika beseitigen, nur wenige Ausnahmen bestätigen aufgrund ihrer Zellstruktur die Regel. Daher kommt es meistens viel mehr darauf an, wo genau die Warze am Körper des Betroffenen wuchert. Denn es ist die Beschaffenheit des umliegenden Gewebes, das über die weitere Therapie entscheidet. Da Zytostatika auch auf gesunde Hautzellen eine geringe aber störende Wirkung aufweisen, dürfen diese zum Beispiel nicht in empfindlichen Bereichen – etwa den Schleimhäuten an den Augen – angewandt werden.

Zuletzt spielt die Art und die Dosierung der Zytostatika eine weitere Rolle. Und die wird grundlegend an der Schwere der Wucherung ausgerichtet. Eine große und als störend empfundene Warze, etwa eine Dornenwarze am Fuß oder eine Feigwarze im Genitalbereich, wird meistens dahin gehend therapiert, dass sie weniger schonend sondern schnell und gezielt beseitigt werden. Hier kann sich die Behandlung auf mehrere Tage (im besten Fall eine Woche bis 10 Tage) belaufen. Allerdings kommen bei vielen Warzen andere Wirkstoffe und Dosierungen zum Einsatz, um die jeweilige Warze in ihrem Wachstum und in ihrer Zellerneuerung so weit zu hemmen, dass sie abstirbt.

Sehr hartnäckige Arten von Warzen oder sehr großflächige Wucherungen, müssen hingegen nicht selten mehrere Wochen lang immer wieder behandelt werden. Je nach Art der Warze kann die Behandlung dabei beispielsweise so aussehen, dass der behandelnde Arzt die Warze ein bis mehrmals pro Woche mit Zytostatika benetzt (oder dass dies der Patient nach genauen Anweisungen tut) und dass der Mediziner das Gewebe, welches zunehmend absterben wird, jedes Mal ein wenig entfernt.

Mögliche Komplikationen und Risiken bei einer Behandlung mit Zytostatika

Das Entfernen einer Warze gehört zu den harmlosesten Einsatzgebieten von Zytostatika. Denn wie bereits erwähnt werden zahlreiche Wirkstoffe der Zytostatika Familie eingesetzt, um eine Krebserkrankung zu behandeln. Und da es sich bei Zytostatika um Wirkstoffe handelt, die oftmals giftartige Eigenschaften mitbringen, ist die Liste der möglichen Nebenwirkungen und Risiken ungemein lang. Aber: Da Zytostatika bei der Behandlung einer Warze nicht, wie bei einer Chemotherapie, im Inneren des Körpers, sondern nahezu ausschließlich äußerlich angewandt werden, halten sich die Risiken und Nebenwirkungen, die auch auf eine Therapie bei einer Warze zutreffen, stark in Grenzen. Da aber über die Haut trotzdem geringe Mengen der Inhaltsstoffe in den Blutkreislauf gelangen, sollte man diese ebenfalls beleuchten.

Häufige Nebenwirkungen, die Zytostatika auslösen, sind Blut- und Organschäden, Übelkeit, Brechreiz, Haarausfall und Impotenz. Spätfolgen von einer Behandlung mit Zytostatika können eine Lungenfibrose, Nervenlähmungen oder Herzstörungen sein. Des Weiteren klagen viele Patienten, die Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie erhalten, über Beschwerden wie Müdigkeit, Infertilität, Psychosen, Vaginalblutungen, kardiovaskuläre Probleme und über eine hohe Infektanfälligkeit. In seltenen Fällen können diese Beschwerden jedoch auch bei oder nach einer Behandlung von einer Warze mit Zytostatika auftreten.

Öfter kommen bei einer Warzenbehandlung mit Zytostatika jedoch Reizungen und Schädigungen des Zellgewebes vor, das sich in unmittelbarer Nähe zur behandelten Warze befindet. Ja nach Fall kann es sich hierbei um vorübergehende oder dauerhafte Schädigungen handeln. Natürlich sollte man bei akuten Beschwerden oder sonstigen Gegenanzeigen bei einer Behandlung mit Zytostatika sofort den behandelnden Arzt kontaktieren, sodass der die Therapie der Warze überdenken kann.

Nachbehandlung und Vorbeugung

Nach einer erfolgreichen Therapie sollte immer, auch wenn die Warze nicht mit Zytostatika entfernt wurde, eine Stärkung des Immunsystems vorgenommen werden. Denn in den meisten Fällen ist es eine nicht sichtbare Erkrankung, die die Bildung der Warze ausgelöst hat. Die Zytostatika bekämpfen bei der Therapie hingegen, wie auch andere Mittel und Wege zur Entfernung der Warze, nur das Symptom – nämlich die Warze als sichtbare Zellwucherung. Schon während der eigentlichen Behandlung sollte man also damit beginnen, das Immunsystem bestmöglich zu stärken. Denn so kann man einer erneuten Nachbildung der Warze oder der Bildung von weiteren Warzen am besten entgegenwirken.

Meistens schließt die Nachbehandlung nach der Entfernung einer Warze aber auch mit ein, dass man das geschädigte und gestörte Zellgewebe, auf dem sich mal die Warze befand, dabei unterstützt sich zu erholen und zu regenerieren. Dies kann man mit verschiedenen Tinkturen, Salben oder Lösungen tun, die ganz speziell darauf ausgelegt sind, die Haut nach einer solchen Behandlung der Warze zu unterstützen und zu schonen. Je nach Größe der ehemaligen Warze und somit auch nach der Hautfläche, die mit dem Zytostatikum behandelt wurde, kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis sich das Zellgewebe wieder gänzlich erholt hat. Jedoch ist die Zeit der Regeneration ebenso wenig schmerzhaft oder für den Patienten spürbar, wie die Behandlung der Warze mit Zytostatika in den meisten Fällen auf der Haut nicht spürbar oder schmerzhaft ist.